Irmgard Grunwald - Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Hiob 19,25
Persönlich
 


Irmgard Grunwald (offiziell: Leo-Grunwald), Jahrgang 1960, verheiratet, fünf erwachsene Kinder.
Ich lebe mit meinem Mann in der Nähe von Köln. Früher immer aktiv in Familie und Gemeinde, sitze ich seit 2004 nur noch im Rollstuhl. Die unheilbare und tödliche Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), diagnostiziert 2001, bewirkt rasch fortschreitende Lähmungen im ganzen Körper: Arme und Beine, Hände und Füße, sind unbrauchbar geworden, und die Atemmuskulatur muss durch künstliche Beatmung unterstützt werden.
 
 








Gott sagt:
Meine Gnade ist alles, was du brauchst,
denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.
(2. Korinther 12,9)
 
 
Mein Alltag – mit Gott! (2011)
 
Eigenartiger Alltag
Ich schreibe, ohne die Tastatur meines PC zu berühren. (Das geht mit Hilfe einer Sprachsteuerung, die diktierten Text in geschriebenen Text umwandelt.)
Mein Schlafzimmer habe ich seit vielen Jahren nicht mehr betreten. (Ich kann mich nur noch in einem Rollstuhl fortbewegen.)
Schon seit langer Zeit habe ich nicht mehr unter der Dusche gestanden. (Selbst zur Körperpflege bin ich auf einen Spezial-Rollstuhl angewiesen.)
Sogar meine Socken und meine eigenen Taschentücher fasse ich nicht an. (Meine Hände können nichts mehr greifen.)
 
Eigenartig?! Ja, inzwischen habe ich tatsächlich eine ganz "eigene Art" entwickeln müssen, meinen Alltag zu bewältigen. Seit April 2001 habe ich die Diagnose Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Das bedeutet: eine unheilbare, fortschreitende und tödlich verlaufende Erkrankung. Durch einen Defekt in den motorischen Nervenzellen kann die Muskulatur nicht mehr angesteuert werden, die Muskeln verschwinden. Dadurch entstehen Lähmungen am ganzen Körper: Arme und Beine, Füße und Hände werden völlig unbrauchbar; auch die Atemmuskulatur ist betroffen, und ich muss ca. 23 Stunden am Tag künstlich beatmet werden. Abhängig von anderen Menschen wie ein neugeborenes Baby bei allen körperlichen Bedürfnissen – Hilflosigkeit ist mein ständiger Begleiter geworden.
 
Von Gott verlassen?
In meiner Situation gibt es Gründe genug, an Gott zu verzweifeln, seine Liebe und seine Allmacht in Frage zu stellen, seine Existenz zu verneinen. "Fluche Gott und stirb!", lautete der zynische Rat von Hiobs Frau. So deutlich sagt man es mir meist nicht ins Gesicht, aber viele meiner Mitmenschen denken ganz ähnlich: Was ist das für ein Gott, der eine gläubige Frau auf so krasse Weise aus der Bahn wirft? Der einer Familie quasi die Mutter raubt? Kann er nicht heilen? Oder will er nicht? Oder gibt es ihn vielleicht gar nicht?
 
Kein Strohhalm - sondern ein festes Fundament!
Die meisten Menschen greifen in einer solchen Situation nach jedem Strohhalm, der Hoffnung und Hilfe verspricht. Ist mein Glaube auch bloß ein solcher Strohhalm, wie manche meiner Mitmenschen annehmen? Mein Herr und Gott hat mir in den letzten Jahren handfeste Antworten gegeben! Ich stelle vier Thesen in den Raum:
 
1. Krankheit ist nicht unbedingt etwas Böses, sondern etwas Schweres.
Natürlich ist es nicht schön, krank, hilflos und in jeder Kleinigkeit abhängig von anderen Menschen zu sein. Das ist schwer zu ertragen. Was mutet Gott mir da zu? (Das gilt selbstverständlich nicht nur für das Phänomen Krankheit.)
Warum neigt man eigentlich dazu, alle Belastungen so darzustellen, als seien sie grundsätzlich gegen "das Leben" gerichtet? Auch in der Bibel gibt es genügend Beispiele für Menschen, deren Leiden und Qualen von Gott kommen. Wirft das gleich unser Gottesbild um?! Hiobs schwere Lasten wurden von Satan verursacht - aber mit Gottes Wissen und Billigung und Ermächtigung; ohne Gottes Zustimmung kann Satan überhaupt nichts tun. Von wem stammt Paulus' "Stachel im Fleisch"? Ein Engel Satans darf (und soll!) den erfolgreichen Missionar quälen.
Aber Gott tut nichts Sinnloses, er hat eine Absicht und ein Ziel bei allem was er tut. Gott ist die Liebe; er tut nichts, was mir letztlich schaden könnte. Ich brauche einen globalen Blick, keinen Tunnelblick! Ich bilde mir zwar nicht ein, Gottes Beweggründe zu kennen oder zu verstehen, aber an manchen Stellen kann ich sie erahnen. Und dann lautet die Frage eher: Was traut Gott mir da zu?
 
Wenn Krankheit tatsächlich nicht etwas Böses, sondern etwas Schweres ist, dann muss ich nicht dagegen ankämpfen. Ich kann die Krankheit als Herausforderung annehmen und versuchen, diese Aufgabe, die Gott mir stellt, so gut wie möglich zu lösen!
 
2. Das Leben verläuft immer tödlich.
Die meisten Menschen sind schockiert, wenn sie von einer unheilbaren und tödlichen Erkrankung hören. Das geht mir nicht anders. Aber sind nicht eigentlich alle Menschen in genau der selben Situation? Vor einigen Jahren überquerte meine Schwägerin zu Fuß an einer kleinen Ampelkreuzung die Straße. Der Busfahrer hat sie einfach übersehen - sie war sofort tot. Wäre nicht eher ich dran gewesen? Mein Tod wäre zumindest nicht so überraschend gewesen. Sehr drastisch hat Gott uns vor Augen geführt, dass das Leben grundsätzlich lebensgefährlich ist - ob alt oder jung, gesund oder krank. So kann Krankheit und Leid auch zu einem Privileg werden:
 
Wenn das Leben auf dieser Erde nur eine begrenzte Haltbarkeit hat, dann habe ich die Chance, mich hier und jetzt optimal auf die Ewigkeit vorzubereiten!
 
3. Ich erlebe Wunder ...
Ich kann noch sprechen und schlucken - sehr ungewöhnlich bei meiner Diagnose.
Seit mehreren Jahren ist der Krankheitsverlauf quasi zum Stillstand gekommen - medizinisch nicht erklärbar. Für mich ist es das Eingreifen Gottes in mein Leben.
"Wie kann es dir nur so gut gehen, wenn es dir so schlecht geht?!" Ich weiß es nicht, es ist ein Wunder Gottes.
 
Wenn Gott so sichtbar und spürbar in mein Leben eingreifen kann, dann kann ich noch viel Wunderbares von ihm erwarten: sowohl auf dieser Erde als auch in der Ewigkeit!
 
4. Meine Krankheit zieht Kreise.
Ich sehe viele Auswirkungen meiner besonderen Situation: für mich persönlich, für andere Gläubige, für Menschen, die noch nicht an Jesus Christus glauben.
Gott hat mich selbst durch die Krankheit näher zu sich hingezogen.
Gott hat durch meine Krankheit gläubige Christen aus meinem Umfeld näher zu sich hingezogen.
Gott hat durch meine Krankheit mehrere bis dahin ungläubige Menschen durch seine Liebe und Gnade zu sich hingezogen und ihnen das ewige Leben geschenkt.
Eine Fülle von Segen - das wiegt meine Krankheit tausendfach auf!
 
Wenn Gott durch meine Krankheit so viel Segen strömen lässt, dann meint er es einfach gut mit mir. Ich freue mich darüber, dass er mir zutraut, mit seiner Hilfe eine ungewöhnliche Situation mit Leben zu füllen.
 
Darum sage ich heute aus vollster Überzeugung: "Der Herr hat gegeben, und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen!" (Hiob 1,21b)
 
 
Noch ein paar Informationen: Ein kurzgefasster Lebenslauf
 
Ausbildung
  • 1979: Abitur
  • 1979 – 1985: Studium der Ostasienwissenschaften/Japanologie und Germanistik an den Universitäten Bonn und Bochum
  • 1985: Abschluss Magister (M.A.)
  • 2000 – 2003: Hebräisch-Unterricht (Hebraicum)
 
Familie
  • 1983: Heirat
  • 1984 – 1992: Geburt der vier leiblichen Kinder
  • 1994: Aufnahme eines Pflegekindes in die Familie
 
Glaubensleben
  • 1990: Bekehrung zu Jesus Christus, Taufe
  • 1990 bis 2002: verschiedene Aufgaben in der Gemeinde Pulheim: Kinderarbeit, Frauenarbeit, Mitarbeiterschulungen, Nacharbeit mit Neubekehrten, Seelsorge
  • Ende 2003: krankheitsbedingter Gemeindewechsel nach Neuss; Aufgaben in der Gemeinde Neuss (www.christengemeinde-neuss.de): Koordination und Mitarbeit in der Frauenarbeit (bis 2014), biblischer Unterricht für Jugendliche (bis 2010), verschiedene schriftliche Arbeiten (Gemeindebrief etc.), Referate bei Frauenfrühstücks-Veranstaltungen u.a. (bis 2014)
 
Überörtliche Aufgaben bis 2014/15
  • seit 1998: Mitarbeit bei CV Dillenburg (www.cv-dillenburg.de): Buchrezensionen; Übersetzung verschiedener Bücher (englisch – deutsch), Lektoratsarbeiten (Korrekturlesen)
  • seit 1998: Mitarbeit bei CJ Basdahl: Verfassen von Artikeln für die Jugendzeitschrift "komm" und die Mitarbeiterzeitschrift "Christ Online-Magazin"
  • seit 2007: Mitarbeit bei der Genfer Bibelgesellschaft/Haus der Bibel       (www.bibelgesellschaft.com): Übersetzung der vierteljährlichen Info-Zeitschrift "Bibel-Info" (französisch – deutsch), gelegentliches Verfassen eigener Artikel für "Bibel-Info"; Buchrezensionen, Korrekturlesen
  • seit 2009: regelmäßige Mitarbeit bei der christlichen Familienzeitschrift „ethos“ (monatliche Kolumne „Mit Leib und Seele“, seit September 2012 unter dem Titel "bewährt")(www.ethos.ch); zusätzlich gelegentlich weitere Artikel für „ethos“ und die christliche Zeitschrift „Perspektive“ (www.cv-perspektive.de)
 
 
                                   
 
 
 
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